Etwa sechs Millionen Menschen leiden in Deutschland unter der Zuckerkrankheit. Doch noch schlimmer ist, dass weitere sechs Millionen Deutsche an Diabetes leiden, ohne es zu wissen. Mitunter wird die Krankheit erst erkannt, wenn die befürchteten Folgen eingetreten sind: Herzinfarkt und Schlaganfall, Erblindung und Nierenversagen, diabetischer Fuß und Nervenschädigungen.
Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung der Zuckerkrankheit kann diese Komplikationen verhindern. Auch bei Typ-II-Diabetes, dem sogenannten Alterszucker, raten Mediziner jetzt zu einer Behandlung mit Insulin, um eine optimale Blutzuckereinstellung zu erreichen. Medizinisches Wörterbuch: Diabetische GefäßschädenDer Diabetes mellitus ist nicht nur eine Stoffwechselkrankheit, sondern von Beginn an auch eine Gefäßkrankheit. Denn der erhöhte Blutzucker ist ein bekannter Risikofaktor für eine beschleunigte Entwicklung einer Arteriosklerose (Arterienverkalkung). Die Arteriosklerose vor allem der größeren arteriellen Gefäße wird als Makroangiopathie bezeichnet. Viele Veränderungen im Organismus des zuckerkranken Patienten, wie erhöhter Blutzucker, erhöhte Blutfettwerte oder erhöhter Blutdruck, tragen dazu bei, dass die Fließeigenschaften des Blutes verschlechtert werden. Die Schwelle für die Blutgerinnung ist herabgesetzt, so dass die Entstehung von Blutgerinnseln (Thromben) in den Gefäßen beschleunigt wird. Das Blut ist dann sozusagen "klebrig". Damit ist das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, erhöht. Etwa die Hälfte aller Diabetiker sterben an Herzinfarkt. Der andauernd erhöhte Blutzucker verursacht beim Diabetes auch einen hoch komplexen biochemischen Prozess, der die kleinen und kleinsten Blutgefäße in vielen Organen schädigt – die so genannte Mikroangiopathie. Im Verlauf von etwa 5 Jahren verändern sich die Wände der haarfeinen Blutgefäße im gesamten Organismus. Sie werden langsam immer dicker. Sie sind Ursachen für die gefürchteten so genannten Folgekomplikationen, die sich vor allem am Auge (diabetische Retinopathie) und an den Nieren (diabetische Nephropathie) zeigen.
AugenuntersuchungDiabetische Augenerkrankung (Retinopathie)Ist das Auge betroffen, sind vor allem die Gefäßwände der kleinen Arterien und Venen verändert. Sie werden porös, so dass es zum Austritt von Blut oder Blutbestandteilen kommt. Der Körper reagiert mit Reparaturmechanismen, die aber den Schaden nicht beheben, sondern verschlimmern. So verschließen sich Gefäße oder es bilden sich Aussackungen der kleinen Kapillaren. Die Versorgung der betroffenen Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen ist dadurch nicht mehr gewährleistet. Außerdem kommt es zu ausgeprägten krankhaften Gefäßneubildungen, die aus der Netzhaut in den Glaskörper wuchern und die Durchblutung des Auges noch verschlechtern.
In diesem Stadium der diabetischen Retinopathie ist das Sehvermögen bereits stark gefährdet. Aus den krankhaften Gefäßwucherungen treten Blutungen in den Glaskörper ein. Gleichzeitig kann sich die Netzhaut von der sie ernährenden Aderhaut ablösen. Wird diese diabetische Netzhauterkrankung (proliferative diabetische Vitreo-Retinopathie) nicht behandelt, führt sie unweigerlich zur Erblindung.
DialysepatientinDiabetische Nierenerkrankung (Nephropathie)30-50 Prozent aller Diabetiker entwickeln im Verlauf ihrer Krankheit Nierenschäden, da die eigenen Nieren durch die Schädigung der kleinen Gefäße ihrer Funktion der "Blutwäsche" nicht mehr vollständig nachkommen können. Sie können bis zum Nierenversagen führen und dann eine Nierenwäsche (Dialyse) oder eine Nierentransplantation notwendig machen.
Diabetische PolyneuropathieDie Durchblutungsstörungen, die durch die "verklebten" Blutgefäße entstehen, führen auch dazu, dass die Nervenfasern nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Eine häufige Folge sind Schädigungen des Nervensystems.
Nervenschädigungen können sich vielfältig äußern. Besonders häufig ist die Neuropathie der Beine. Sie äußert sich mit einem tauben Gefühl. Im fortgeschrittenen Stadium können auch brennende Schmerzen auftreten. Die am meisten gefürchtete Folge von Nervenschädigungen ist der diabetische Fuß. Allein in Deutschland treten heute jährlich immer noch 58.000 diabetesbedingte Fußgeschwüre auf. Und jährlich müssen 28.000 Menschen den Schrecken einer Amputation ertragen. Warnsignale sind kalte Füße, blasse dünne oder bläuliche Haut, Schmerzen beim Liegen, schmerzende Wunden, Verletzungen und Druckstellen. Auf Nervenschäden können ein gestörtes Empfinden, Taubheitsgefühl, Unsicherheit beim Laufen, Neigung zur Verhornung und Nagelpilz hinweisen.